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Akzeptanz schaffen durch Mitgestaltung und Kreativität

Dienstag, 23. November 2010 Autor: Christian Weiler 5,423 Aufrufe keine Kommentare

Unsere Arbeitswelt ist stark geprägt von hierarchischen Organisationstrukturen und einem ausgeprägten Prozessdenken. Dieses Verständnis leitet sich aus den Abläufen von Produktionsprozessen ab. Bei der Definition der Geschäftsprozesse werden vorhersehbare Aktivitäten in lineare und eindeutige Strukturen geordnet. Jeder Prozessschritt wird dadurch messbar und die Effizienz kann über Kennzahlen oder Key Performance Indicators (KPIs) gesteuert werden. Durch gezielte Messungen, Analysen und den Einsatz von verschiedenen Methoden wird eine kontinuierliche Verbesserung erwirkt.

Diese Arbeitsweise hat entscheidende Nachteile. Der Fokus ist eindimensional und betrachtet nur den Aspekt Prozessabläufe zu verkürzen und damit Kosten zu senken. Die beteiligten Mitarbeiter werden zu Experten ihrer Prozesssilos. Die Fähigkeit, die eigenen Aufgaben in Verbindung mit übergreifenden Abläufen im Kontext zu betrachten wird nicht gefördert.
Die eingesetzten Management-Methoden bauen auf den hierarchischen Strukturen und Prozessen auf. Auf Basis der erhobenen Kennzahlen werden Strategien entwickelt sowie Ziele und Planungen abgeleitet. Die Kommunikation erfolgt entlang der Linienorganisation.
Die Kommunikation der Notwendigkeit von Veränderungen, die aus der Umsetzung der Strategie resultieren, ist auf zwei Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt:

  1. Predigt: der Versuch die Strategie zu erläutern und um Verständnis und Unterstützung werben
  2. Patriarchalisch: Entscheidungen des Management sind gehorsam umzusetzen.

Daraus leiten sich die zentralen Fragen ab:

  • Geschäftsprozesse sind in vielen Bereichen ausgereizt oder führen in eine Sackgasse. Wie kann das Potential der Mitglieder einer Organisation gehoben werden?
  • Wie kann die Akzeptanz für Veränderungen gesteigert werden?

Die Arbeitsweisen von Ideen- und Innovations-Communities zeigen auf, wie bestehende Management Methoden verändert werden können, um die Unternehmenskultur weiter zu entwickeln und Unternehmen nachhaltig erfolgreich zum machen. Im Artikel „Innovations-Community – Intention und Philosophie“ habe ich die Eckpfeiler für den Aufbau einer Community vorgestellt:

  • Offenheit und Transparenz
  • Kollektive Intelligenz
  • Selbstregulierender Organismus
  • Wettbewerbscharakter und Incentivierung

Der Grundgedanke dieser Prinzipien bedeutet für die Organisation, Mitarbeiter zu beteiligten zu machen und so den Raum schaften aktiv eigene Ideen einzubringen zu können.

Um diese zu verdeutlichen möchte ich einen kleinen Exkurs in die Politik machen.
Viele Länder der Europäischen Union sind dazu gezwungen ihre Haushaltsausgaben massiv zu senken. Dies ist keine leichte Aufgabe. Jede Kürzung bedeutet Einschnitte, gegen die sich die Betroffenen wehren – berechtigt oder nicht. Über die Richtigkeit möchte ich hier gar nicht sprechen. Was ich beleuchten möchte ist die Herangehensweise. Sieht man sich das Vorgehen in den Ländern Deutschland oder Österreich an, so beobachtet man, dass die Sparpakete durch die Experten in den Ministerien erarbeitet und im Rahmen der politischen Diskussion ausgestaltet werden. Die Bereitschaft der betroffenen, diese Sparmaßnahmen mitzutragen ist im Ergebnis gering, was zu Protesten führt.

Die Britische Regierung verfolgt aktuell eine andere Herangehensweise. Unter dem Titel „Spending Challange“ fordert der Premierminister die Bürger auf Ihre Ideen und Vorschläge einzubringen, wie die Haushaltsausgaben reduziert werden können. Der Ideenwettbewerb wurde über Social Media Plattformen unterstützt. Die Community der Britischen Wähler bracht mehr 100.000 Ideen und Vorschläge ein, um das Haushaltsdefizit des Landes zu senken.
Die Britischen Bürger wurden zu direkten Beteiligten und können mit Ihren Ideen die Sanierung der Haushalte mitgestalten. Dieses Vorgehen wurde durchaus kontrovers betrachtet. Im Fokus der Diskussion stand dabei die Rolle und Aufgabe der Regierung. Kritiker des Vorgehens sind nicht einverstanden damit, dass die Bürger jetzt die Arbeit der Ministerien machen. Proteste wie in anderen Ländern blieben bislang aus.

Fazit:
Prozessoptimierung, kontinuierliche Verbesserungen und hierarchische Organisationmodelle sowie die darauf ausgerichteten Management Methoden verlieren an Wirksamkeit. Die Arbeitsweisen von Communities zeigen Lösungsansätze auf, wie die Potentiale der Mitglieder einer Organisation gehoben werden können.
Die Herangehensweise der Britischen Regierung zur Senkung des Haushaltdefizit des Landes („Spending Challange“) zeigt, wie Wähler stärker mitgestalten können und zu Beteiligten von Veränderungen werden. Diese Vorgehensweise ist auch in besonders erfolgreichen Unternehmen zu finden. Die Unternehmenskultur und die Management Methoden in diesen Organisationen fördern gezielt die Beteiligung der Mitarbeiter an Veränderungsprozessen. Das Selbstverständnis diese Unternehmen ist, dass nicht das Management allein die Zukunft des Unternehmens gestaltet.

Dieser Artikel wurde geschrieben von:

Christian Weiler

Christian Weiler ist Initiator und erster Autor des Blogs "Köpfe für Deutschland". In diesem Blog berichtet er über seine Erfahrungen mit der Entwicklung von der „Informationsgesellschaft“ zur „Kreativgesellschaft“ und wie Ideen- und Innovations-Communities die Veränderungen der Unternehmenskultur fördern.

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