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Die richtigen Ideen identifizieren

Montag, 06. September 2010 Autor: 2,821 Aufrufe keine Kommentare

Die zentrale Herausforderung im Innovationsmanagement ist es, aus den vielen Ideen diejenigen zu identifizieren, die zu einer echten Innovation werden. Im Rahmen des Innovationsmanagement-Prozess, insbesondere im Ideenmanagement sollte dieser Aufgabe die größte Aufmerksamkeit zukommen.

Der Innovationsmanagement-Prozess kann grob in zwei Phasen eingeteilt werden.
Einer „Upstream-Phase“ in der Ideen generiert werden und in der Innovations-Community diskutiert werden und einer „Downstream-Phase“ in der Ideen zur Umsetzung gebracht werden.
Die Fähigkeit Ideen zu generieren kann durch verschiedene gezielte Maßnahmen aktiviert und gefördert werden. Tragende Säule ist eine aktive Community sowie das Kollektive Verständnis darüber, dass Innovationsmanagement eine Aufgabe ist, der sich eine Organisation mit voller Aufmerksamkeit widmen muss.
Die Kompetenz zur Umsetzung in Form von Projekten ist in sehr vielen Organisationen über die letzten zwei Jahrzehnte in ausreichendem Umfang aufgebaut. Eine projekthafte Arbeitsweise ist in vielen Funktionsbereichen erfolgreich etabliert.

Klassische Bewertungsansätze, die beispielsweise im Rahmen von Strategieentwicklungen oder bei der Entscheidungsfindung für die Freigabe von Projekten eingesetzt werden, sind für die Auswahl von Ideen nicht geeignet. Wird bei der Bewertung von Ideen zu früh die Fragen nach dem „Business Case“ oder dem messbaren Nutzen gestellt hat dies fatale Folgen.
Viele der bahnbrechenden Innovationen der letzten hundertfünfzig Jahre hatten zu Beginn keinen tragfähigen Business Case und wurden von Experten als nicht realistische Ideen eingeschätzt. Zwei der berühmtesten Beispiele sind die Entwicklung des Telefons oder des PC.
Wird der Fokus auf Ideen gelegt, die einen offensichtlichen messbaren und kurzfristig realisierbaren Nutzen aufzeigen, hat dies zur Folge, dass die notwendige Kreativität zur Generierung von Ideen unterdrückt wird. Verfolgt eine Organisation diese Ziele und legt den Fokus auf den kurzfristigen Nutzen, tut diese gut daran nicht nach echten Innovationen zu streben und sollte seinen Schwerpunkt auf Verbesserungsvorschläge legen, die helfen Effizienz und Qualität zu steigern.

Grundlage für das hervorbringen von echten Innovationen ist die Veränderungsbereitschaft und der Wille zur Veränderung. Der Rahmen für Ideen muss entsprechend weit gesteckt werden. Selbst das heutige Geschäftsmodell der Organisation muss im Rahmen von Ideen hinterfragt werden dürfen.

Für die Bewertung von Ideen sind 3 zentrale Fragestellungen zu beachten:

  1. Im einem ersten Schritt ist eine Idee darauf hin zu prüfen, in wie weit für die Umsetzung notwendige Rahmenbedingungen gegeben sind. Beispielsweise, ist die notwendige Basistechnologie verfügbar oder sind die rechtlichen Rahmenbedingungen geben. Die Bewertung bzgl. der Rahmenbedingungen führt nicht zwingend direkt zu einem Verwerfen einer Idee. Dies sollte ohnehin nicht gemacht werden. Ideen die nicht weiterverfolgt werden sollten geparkt werden und zu einem späteren Zeitpunkt neu bewertet werden. Die Bewertung hinsichtlich der Verfügbarkeit von Rahmenbedingungen kann Hinweise geben, dass diese heute in der Organisation noch vorhanden sind, aber durchaus geschaffen werden können, oder das beispielswiese eine Basistechnologie bislang nicht sinnvoll eingesetzt werden konnte, mit der Idee dies aber möglich wird.
  2. Die Bewertung hinsichtlich des Risiko-Quotienten ist für Ideen für neue Produkte und Dienstleistungen wichtig. Jede Idee kann dahingehend betrachtet werden wie weit die Produkt- oder Dienstleistungsidee vom aktuellen Portfolio abweichte (Neuheitsgrade). Des weiteren kann eine erste Aussage bzgl. des notwendigen Geschäftsmodells für diese Idee gemacht werden. Ergebnis ist eine 2mal2 Matrix. Fällt eine Idee in den oberen rechten Quadranten, d.h. der Neuheitsgrad ist groß und das notwendige Geschäftsmodell ist weit entfernt vom derzeitigen, kann man von einer „radikalen Innovation“ sprechen. Der Risiko-Quotient kann dabei helfen diese „radikalen Ideen“ zu identifizieren, um diese der Innovations-Community zur Diskussion zurück zuspielen. In vielen Fällen ist es möglich und sinnvoll diese Ideen schrittweise (Inkrementelle) umzusetzen.
  3. Die Bewertung der Idee durch die Innovations-Community ist entscheidenden. Die Einschätzung durch das Kollektiv ist differenzierter und genauer als die Bewertung durch einzelne Spezialisten (The Wisdom of the Crowds). Maßgeblich ist, dass die Bewertung durch eine große Breite erfolgt ist. Zu beachten ist auch, dass die Gruppe der Mitglieder, die eine Bewertung abgeben eine große Unterschiedlichkeit (Alter, Geschlecht, ethnischer Hintergrund, etc) aufweist. Die Erfahrung zeigt, dass die Güte der Bewertung abhängig ist von der Größe der Gruppen und dem Grad der Unterschiedlichkeit seiner der Mitglieder.

Fazit
Für die Identifikation von Ideen, die das Potential zu echten Innovationen haben, ist die Bewertung durch die Innovations-Community entscheidend. Werden Kriterien, die auf den messbaren Nutzen oder dem Business Case ausgerichtet sind, zu früh angesetzt, werden echte Innovationen unterdrückt.
Die Motivation der Community zur aktiven und durchdachten Bewertung von Ideen kann durch Wettbewerbsmechanismen gefördert werden. Zudem kann die Bewertung von Ideen mit Überlegungen für eine „Ideen-Währung“ gekoppelt werden.

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