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Hat Innovationsmanagement Gegenspieler?

Sonntag, 12. September 2010 Autor: Christian Weiler 5,910 Aufrufe keine Kommentare

Wer sind die natürlichen Gegenspieler von Innovationsmanagement respektive einer Innovationskultur?
Innovationsmanagement ist für viele Organisation grundsätzlich nichts Neues. Der Begriff Innovation bzw. Innovationsmanagement wurde und wird immer noch sehr breit, fast inflationär, verwendet. Viele Unternehmen bezeichnen sich als besonders innovativ und stellen diese im Rahmen ihres Marketing und der Markenentwicklung in den Vordergrund. Doch sind sie es wirklich, nur weil sie ihre Produkt und Services durch Verbesserung ihrer Prozesse und Produktionsverfahren nun günstiger anbieten können. Wenn man genauer hinsieht stellt man fest, dass die Produkte und Services ihre ursprünglichen Alleinstellungsmerkmale und damit die Wettbewerbsvorteile verloren haben und die Extramarge die durch die ursprüngliche Innovation möglich war, heute nicht mehr erzielt werden kann. Die Innovationskraft eines Unternehmens entsteht auch nicht alleine durch die Produktentwicklung, das Marketing oder einzelne herausragende Top-Manager.
Im Folgenden möchte ich Ihnen einige Aspekte aufzeigen, die beim Aufbau einer Innovationkultur berücksichtigt werden müssen, um Innovationmanagement als Kernkompetenz in der Organisation zu verankern:

Geschäftsprozesse
Der Fokus auf schlanke Strukturen und die stete Optimierung von Geschäftsprozessen beschneidet zunehmend Freiräume. Arbeitsabläufe sind vorgegeben und klar geregelt. Jeder Vorgang ist vordefiniert und folgt Vorgaben. Kreative Freiräume d.h. Entscheidungsspielräume werden sukzessive zurückgedrängt. Ideen werden schnell unterdrückt vom Gewicht ausgeprägter Hierarchien und Prozessvorgaben. Auch fehlt oft ganz einfach freie Zeit.
Innovationsmanagement benötigt Freiräume um Dinge ausprobieren zu können und bedarf eine Kultur in der scheitern nicht zwangsläufig ein Makel ist.

Forschung und Entwicklung
Gerade in Mitteleuropa herrscht die viel verbreitete Ansicht, dass Innovationsmanagement Aufgabe von Forschung und Entwicklung ist. Mit einer einfachen Analyse wird dieser Umstand schnell deutlich: Stellenausschreibung für Innovationsmanagement sind zu einem hohen Prozentsatz auf F&E Bereiche ausgerichtet. Auch wird für Unternehmensbewertungen heute noch die Quote für F&E Ausgaben herangezogen, um die Innovationskraft einer Organisation zu beurteilen.
Innovationsmanagement muss als Ziel haben, das kreative Potential aller Mitglieder einer Organisation zu heben und darf nicht auf den kleinen Anteil beschränkt sein, die Forschungs-, Entwicklungs-, Produktmanagement- oder Business Development Aufgaben haben.

Outsourcing und Verringerung der Eigenleistungstiefe
Mit der Verringerung der Entwicklungs- oder Eigenleistungstiefe sowie dem Outsourcing von Geschäftsprozessen wird die Innovationskompetenz an Lieferanten und Dienstleister ausgelagert. Der exklusive Zugang zu Innovationen und der zeitliche Vorsprung durch Innovationen den Preisaufschlag / die Extramarge zu erzielen wird erschwert oder verschwindet. Oftmals geht damit ein Strategiewechsel einher und die Positionierung als „Fast Follower“ wird damit betont. Im Extremfall muss sich eine Organisation die strategische Frage stellen: „wie kann ich innovative Produkte oder Dienstleistungen entwickeln, wenn mir die Kompetenz fehlt was produzierbar bzw. umsetzbar ist?
Für das Innovationsmanagement muss diese Frage beantwortet werden und Überlegungen dahingehend geprüft werden, welche Teilnehmer an einer Innovations-Community teilnehmen müssen (innerhalb und außerhalb der Organisation), um die gewünschte Effektivität zu erzielen.

Marktforschung und Trend-Scouting
Mit gezieltem Trend-Scouting und Marktforschung werden kontinuierlich Megatrends und Technologieentwicklungen analysiert. Auch die Zeitspannen, die erforderlich sind, bis Entwicklungen zum Durchbruch in den Märkten notwendig sind werden intensiv analysiert und bewertet. Was Trend-Scouting und Marktforschung nicht beantworten kann ist, welche konkreten Ideen, die sich aus Megatrends (Beispiele für Megatrends: Mega-Cities; Nachhaltigkeit (Ökologie, soziale Verantwortung, Verantwortungsbewusster Kapitalismus, Alterung der Gesellschaft;…) ableiten lassen und zu substanziellen Innovationen führen. Um eine Prognose und Einschätzungen zu gewinnen oder als Richtungsleitplanken, um Innovationsschwerpunkte zu identifizieren, sind Trend-Scouting und Markforschung aber wichtige Instrumente.
Die Lücken zwischen dem Verlangen und der Notwendigkeit für Ideen/Innovation und der Generierung von Ideen bleibt bestehen und wird größer. Der Druck wird stärker, da für die Herbeiführung der Entscheidung zur Umsetzung einer Idee als auch die für die anschließende Umsetzung bis zur Markteinführung Zeit notwendig ist. Lücken die heute entstehen können erst übermorgen geschlossen werden.

Fazit:
Klassische Strukturen, Aufgabenverteilungen und Prozesse müssen inspiriert, aber nicht ausgehebelt werden. Bestehende Regeln der Zusammenarbeit in einer Organisation sind wohl durchdacht. Innovationsmanagement braucht eine klare Steuerung und Synchronisationspunkte wie regelmäßige Feedbackrunden und „Reality-Checks“ – Nur nicht zu viele.

Dieser Artikel wurde geschrieben von:

Christian Weiler

Christian Weiler ist Initiator und erster Autor des Blogs "Köpfe für Deutschland". In diesem Blog berichtet er über seine Erfahrungen mit der Entwicklung von der „Informationsgesellschaft“ zur „Kreativgesellschaft“ und wie Ideen- und Innovations-Communities die Veränderungen der Unternehmenskultur fördern.

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