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Rollen in Ideen- und Innovations-Communities (Teil 1: Ideen-Autor)

Dienstag, 16. November 2010 Autor: Christian Weiler 6,166 Aufrufe 4 Kommentare

Das wichtigste Instrument, um Ideen- und Innovationsmanagement in der Organisation zu verankern ist die Ideen- oder Innovations-Community. Die Community ist der Motor für die Entwicklung einer Innovationskultur. Über die Rahmenbedingung und Eckpfeiler für eine Ideen- und Innovations-Community habe ich im Artikel „Innovations-Community – Intention und Philosophie“ berichtet.

Das Grundverständnis einer Community für Ideen- und Innovationsmanagement ist, dass alle Mitglieder der Community gleichberechtige Teilnehmer sind und hierarchische Strukturen der eigenen Organisation innerhalb der Community nicht widergespiegelt werden dürfen.
Wenn Sie für Ihr Unternehmen entschieden haben einen ganzheitlichen Ansatz für Innovationsmanagement zu verfolgen, um damit echte Innovationen hervorzubringen, stehen Sie nach der Definition Ihrer Vision, Strategie und Zielen vor der Aufgabe eine Ideen- und Innovationscommunity aufzubauen.
Meine Empfehlung ist, erlauben Sie den Mitgliedern der Community anonym zu bleiben. Damit machen Sie hierarchische Strukturen durchlässig und geben Ideen den notwendigen Freiraum sich zu entwickeln. In der Ausgestaltung bedeutet dies konkret, dass Mitglieder unter einem Pseudonym oder als Avatar innerhalb der Community agieren.

Erfolgreiche Communities zeichnen sich durch die Diversität ihrer Mitglieder aus. Die Unterschiedlichkeit drückt sind durch Alter, Geschlecht, Bildung, sozialer- und kultureller Hintergrund sowie andere Charakteristiken aus. Abhängig von der Motivation, persönlichen Stärken und Interessen oder der Ausprägung einer spezifischen Idee nehmen die Mitglieder unterschiedliche Rollen ein.
Für die erfolgreiche Ausgestaltung und Weiterentwicklung einer Idee, bis hin zu Umsetzung der Innovation, ist die Beteiligung und der Input durch eine Reihe von Mitgliedern, mit unterschiedlichen Rollen notwendig. Jedes Mitglied der Community kann dabei grundsätzlich jede Rolle einnehmen.
Wird eine oder mehrere dieser Rollen innerhalb der Community nicht ausgefüllt, verliert die Community signifikant an Kraft. Fehlen beispielsweise Ideen-Autoren, werden keine oder zu wenig neue Ideen generiert. Fehlen Co-Autoren, Paten/Coaches, Scout/Oberserver oder Subject Experts entsteht eine Innovationslücke.

In diesem und einer kleinen Serie von weiteren Artikeln stelle ich die Rollen der Mitglieder von Idee- und Innovations-Communities genauer vor.

Die Rolle des Ideen-Autors
Jedes Mitglied der Community kann Ideen-Autor sein. Der Freiraum der Community motiviert Mitglieder Ideen zu beliebigen Themenfeldern einzubringen. Dabei kann der Autor eine Idee zu einem aktuell Fokusthema einbringen. Fokusthemen werden eingesetzt, um gezielt zu speziellen Themenfeldern Ideen zu generieren. Der Ideen-Autor kann aber auch einen neuen Themenblock aufbringen. Der Autor hat innerhalb der Community den Freiraum unterschiedliche Ideen einzubringen und unterliegt nicht dem Anspruch nur Ideen einzubringen, die in Zusammenhang mit seinem aktuellen Aufgabenfeld oder seiner Rolle stehen. Wird eine neue Idee eingebracht, sollte der Autor seine Ideen mit Hilfe von Merkmalen, Attributen, Tags oder Metadaten versehen, um anderen Mitgliedern die Möglichkeit zu geben diese innerhalb der Vielzahl von Ideen zu finden.
Wird eine Idee eingebracht, steht diese im Wettbewerb mit anderen Ideen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Ideen-Autor noch alleine auf sich gestellt, um die Idee auszugestalten. Der Ideen-Autor ist alleiniger Eigentümer der Idee. Der Ideen-Autor muss die Idee der Community möglichst interessant präsentieren und muss sicherstellen, dass diese Idee einzigartig ist und nicht bereits in ähnlicher Form in der Community besteht. Die Idee unterliegt einem natürlichen Zeitdruck. Neu eingebrachte Ideen werden schneller gefunden und haben für andere Mitglieder eine hohe Aktualität, ganz ähnlich wie bei aktuellen Nachrichten oder bei der guten alten Tageszeitung.

Sieht der Innovationsprozess die Bewertung von Ideen durch die Ideen Community vor, wird dieser Zeitdruck verstärkt. Die Bewertung der neuen Idee erfolgt in einem fest definierten Zeitfenster.
Für den Ideen-Autor bedeutet dies, seine Idee innerhalb der Community bekannt zu machen und weitere Mitglieder zu motivieren, um an der Ausgestaltung der Idee mitzuwirken.
Die Idee wird durch die Mitglieder der Community kommentiert und diskutiert. Dadurch erhält der Ideen-Autor wertvollen Input, um die Ideen weiter auszugestalten und zu präzisieren. Schrittweise formt sich ein virtuelles Team um die Idee und den Ideen-Autor.
Weiterer Rollen, die zu diesem Zeitpunkt wichtig sind:

  • Voter
  • Supporter
  • Subject Experts
  • Co-Autoren

Fazit:
Erfolgreiche Communities zeichnen sich durch die Diversität ihrer Mitglieder aus. Abhängig von der Motivation, den persönlichen Stärken und Interessen oder der Ausprägung einer spezifischen Idee nehmen die Mitglieder unterschiedliche Rollen ein.
Für die erfolgreiche Ausgestaltung und Weiterentwicklung einer Idee, bis hin zu Umsetzung der Innovation, ist die Beteiligung und der Input durch eine Reihe von Mitgliedern, mit unterschiedlichen Rollen notwendig. Jedes Mitglied der Community kann dabei jede Rolle einnehmen.
Der Ideen-Autor hat innerhalb der Community den Freiraum unterschiedliche Ideen einzubringen und unterliegt nicht dem Anspruch nur Ideen einzubringen, die in Zusammenhang mit seinem aktuellen Aufgabenfeld oder seiner Rolle stehen. Der Autor muss seine Idee für andere Mitglieder interessant ausgestalten, um schnell weitere Mitglieder der Community zu gewinnen, um die Idee gemeinsam auszugestalten.

Dieser Artikel wurde geschrieben von:

Christian Weiler

Christian Weiler ist Initiator und erster Autor des Blogs "Köpfe für Deutschland". In diesem Blog berichtet er über seine Erfahrungen mit der Entwicklung von der „Informationsgesellschaft“ zur „Kreativgesellschaft“ und wie Ideen- und Innovations-Communities die Veränderungen der Unternehmenskultur fördern.

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4 Kommentare »

  • daniele schrieb:

    Hallo,

    habe nur einen Kommentar zu einem Nebenaspekt des Artikels – Sie schlagen vor, dass die Community-Mitglieder anonym bleiben dürfen sollen.
    Hebelt man dadurch nicht die positiven Aspekte der Community aus – nämlich Vernetzung, Kollaboration und konstruktive Zusammenarbeit. Letztlich muss ein Innovationsprojekt innerhalb einer Organisation irgendwann den Sprung aus dem Netz schaffen – und dann brauche ich reale Menschen, die u.U. auch face to face zusammenarbeiten.
    Ich wage zu behaupten, dass in Organisationen, in welchen die hierarchische Angst so groß ist, dass Mitglieder nur anonym posten wollen, ohnehin kein produktives Ergebnis aus einer Community entstehen kann. In einem solchen Umfeld verleitet ein anonymes Forum dann lediglich zu unsachlichen Kommentaren.

    Ohne eine vertrauensvolle Kultur in der Organisation braucht man auch kein Netzwerk für Innovation aufzubauen.

    Oder kennen Sie andere reale Beispiele?

  • cweiler schrieb:

    Um Ihre letzte Frage als erste zu beantworten. Ja, es gibt gute Bespiele in der Automobilindustrie. So umfasst die Commmunity bei einem großen Automobilhersteller aktuell mehrere tausend aktive Mitglieder, die annonym Ideen generieren, bewerten und vorrantreiben.

    In sehr großen Organisationen sind hierarchische Strukturen für den Einzelnen oftmals eine Hürde. Insbesondere dann, wenn Ideen oder Vorschläge nicht in direktem Zusammenhang mit dem definierten Aufgabengebiet stehen.
    Die Erfahrungen mit innerbetrieblichen Vorschlagswesen zeigen, dass sehr viele Ideen schnell versanden, da maßgeblich die direkten Vorgesetzten für die Bewertung verantwortlich sind.
    Die Annonymität ist ein kraftvolles Werkzeug, um eine Community zu initialisieren und zu aktivieren. Erstaunlicherweise funktioniert die Vernetzung der einzelnen Mitglieder, trotz ihrer Annonymität, im Rahmen der Ausgestaltung von Ideen, sehr gut.
    Die Vernetzung kann über Ideation-Workshops gefördert werden. Im Rahmen dieser Workshop können die Mitglieder aus Ihrer Annonymität heraustreten, müssen sie aber nicht. Im konkreten können die Mitglieder als sie selber teilnehmen und können den anderen Teilnehmern ihr Pseudonym offen legen, müssen diese aber nicht.

    Die Community ist eines der Werkzeuge, dass zu einer Veränderung des Management-Modells und damit der Unternehmenskultur beiträgt. Ist eine offene Innovations- und Kreativitätskultur aufgebaut wird der Schutz der Annoynmität befremdlich und fällt automatisch.

  • daniele schrieb:

    Hm, interessant.
    Meine Erfahrung, gerade im Vorschlagswesen der Industrie ist doch, dass es dort meist auch um eine monetäre Vergütung der Ideen des Einzelnen oder eines Teams geht und weniger um “Community-Diskussionen” – Vergütung kann ich an einen Anonymen aber nicht auszahlen – insofern ist der Anreiz für einen konstruktiven Beitrag im Vorschlagswesen anonym noch kleiner ?!

    Sollte die Firmenkultur so aussehen, dass die Einzelnen Mitarbeiter im Durchschnitt wenig Vertrauen in ihre Vorgesetzten haben, halte ich es für produktiver, ein System einzuführen, das die Ideen nicht über die Vorgesetzten routet anstatt die Mitarbeiter in die Anonymität entschwinden zu lassen.

  • cweiler schrieb:

    Das Vertrauen in die Vorgesetzten ist durchaus vorhanden. Für die Motivation der Mitarbeiter sind und bleiben sie die relevante Größe. Die Zielsetzung der Community ist es viele Ideen hervorzubringen und sie übernimmt die Rolle Ideen zu bewerten und auszugestalten. Wesentlicher Faktor dabei ist, dass die Community über ein wesentlich höheres Maß an Diversität verfügt als eine Gruppe, die über die Aufbauorganisation definiert ist. D.h. das Ideen Input und Bewertungen aus einer breiteren Basis erhalten.
    Hier kommen wir auch zu einer weiteren Rolle, die ich bislang noch nicht im Blog vorgestellt habe. Die Rolle, die durch eine “Innovation-Office” ausgefüllt wird. Diese Rolle übernimmt die Aufgabe, um Ideen einzuordnen. Handelt es sich bei der Idee um einen Verbesserungsvorschlag (z.B. Vorschläge zur Optimierung von Produktionsabläufen) oder ist es eine Idee aus der eine Innovation hervorgehen kann. Viele Verbesserungsvorschläge sind sehr indiviuell auf ein Themengebiet fokussiert. Die Vorschläge haben zumeist von Beginn an einen klar nachvollziehbaren nutzen. Hier ist es notwendig den Input von Experten zu bekommen und der Vorgesetzte ist die richtige Enscheidungsinstanz.
    Ideen, die zu Innovationen führen (Prozess-, Produkt- oder Business-Innovationen) hingegen sind besser in der Community aufgehoben, um zu reifen. Der Input und die Bewertung durch eine breite Basis hilft dabei, dass Potential eine Idee zu erkennen und herauszuarbeiten. Der Business-Case kristaliert sich oft nur langsam heraus und ist zu Beginn nicht gut greifbar.

    Annonymität und Prämienmodelle schließen sich nicht aus. Prämienmodell, die heute für das betriebliche Vorschlagswesen eingesetzt werden müssen für den Einsatz im Rahmen einer Ideen-Community adaptiert werden. Hier empfehle ich den Einsatz einer “Ideen-Währung”. Der Vorteil einer “Ideen-Währung” ist es, dass neben dem Ideen-Autor weitere Beteiligte, die für die Ausgestaltung und Umsetzung einer Idee notwendig sind direkt partizipieren können. Jedes Mitglied einer Community kann frei darüber entscheiden, wann es sich sein Guthaben auszahlen lässt.
    Klar ist, dass der Ideen-Autor, oftmals gemeinsam mit einem oder mehreren Co-Autoren die Annoynimtät teilweise verlassen muss. D.h. die Autoren können innerhalb der Community weiterhin annonym bleiben. Nach innen in die eigene Organisation müssen sie aber transparent werden, um die Idee zu Umsetzung zu bringen.

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