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Wettbewerb der Ideen – Innovationsfunding oder Ideen-Prämien?

Dienstag, 09. November 2010 Autor: Christian Weiler 5,494 Aufrufe keine Kommentare

In verschiedenen früheren Artikel habe ich bereits dargestellt, wie eine Ideen- und Innovationscommunity die Dynamik entwickelt, um kontinuierlich neue Ideen zu generieren und diese selbstgesteuert bewertet und ausgestaltet. Ein Wettbewerb der Ideen entsteht. Die Ideen, die positiv bewertet werden, ziehen das Interesse anderer Mitgliederauf sich. Der Ideengeber erhält inhaltliches Feedback zu seiner Idee und ein virtuelles Team kommt zusammen, gibt wertvollen Input und treibt somit die inhaltliche Ausgestaltung voran.
Bis zu diesem Zeitpunkt ist es nicht zwingend notwendig Ideen hinsichtlich ihrer grundsätzlichen Ausprägung zu klassifizieren. Eine Einordnung kann sinnvoll werden, um die richtigen Ressourcen in Form von Kompetenzen, Kapazitäten und finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Eine Unterscheidung hinsichtlich

  • Ideen im Sinne von Verbesserungsvorschlägen und
  • Ideen, die zu Innovationen in der Produkt-, Dienstleistungs- oder Prozessentwicklung führen und damit auch das Geschäftsmodell verändern,

ist sinnvoll.

Das betriebliche Vorschlagswesen fokussiert auf Ideen im Sinne von Verbesserungsvorschlägen. Der Einsatz von Ideenmanagement oder Ansätze in Form von kontinuierlichen Verbesserungsprozessen werden heute in Unternehmen eingesetzt. Die Umsetzung dieser Ideen erfolgt in direkter Verantwortung des Bereiches, in dem die Verbesserung entsteht. Notwendige Ressourcen und die finanziellen Mittel werden über bestehende Budgetprozesse bereitgestellt.
Als Anreizmodell werden klassische Prämiensysteme eingesetzt. Die Prämien werden auf Basis einer Formel errechnet. Als Berechnungsgrößen fließen maßgeblich die errechneten Einsparungen, die mit der Verbesserung erzielt werden ein. Der Aufwand für die Umsetzung der Idee wird dabei gegengerechnet. Weitere Faktoren können für die Berechnung der Prämie einbezogen werden. Dies sind beispielsweise die Nähe des Ideengebers zum regulären Arbeitsauftrag, die kreative Leistung, die Reichweite der Verbesserung oder andere qualitative Größen.

Für die Ressourcenbereitstellung zur Umsetzung von Ideen, die echt Innovationen hervorbringen, sind andere Mechanismen erforderlich. Innovationsmanagement braucht ein fest allokiertes Fundingbudget, um die Ausgestaltung und Umsetzung von Ideen mit notwendigen Mitteln zu unterstützen. Das Funding orientiert sich an den Phasen des Innovationsprozesses. Dabei muss jede Organisation für sich individuell festlegen, ab welcher Phase das Funding einsetzt. Das Zusammenspiel mit anderen Mechanismen im Innovationsmanagement muss abgestimmt werden:

  • Wie erfolgt die Bewertung von Ideen?
  • Wird eine Ideenwährung eingesetzt?
  • Wie wird die Interessantheit einer Idee gemessen?

Das Funding unterstützt den Übergang von der Ideengenerierungsphase („Upstream“) zur Umsetzungsphase („Downstream“). Dieser Übergang muss sehr fein ausgesteuert werden, um eine Innovationslücke zu vermeiden. Überlegungen die hierbei zu betrachte sind

  • Die Staffelung des Fundings in Tranchen, dass sich an den Phasen und Zielen im Innovationsprozess orientiert und
  • die Frage nach dem Business Case. Ab welchem Zeitpunkt wird für das weitere Funding der Nachweis des Business Case erforderlich?

Es empfiehlt sich Ideen, Verbesserungsvorschlägen, Maßnahmen im Rahmen von kontinuierlichen Verbesserungsprozessen und Innovationen im Zusammenhang ganzheitliche zu betrachten.
Anreizmodelle unterstützen den Wettbewerb der Ideen und geben der Community zusätzliche Motivation. Neben dem klassischen Prämiensystemen aus dem betrieblichen Vorschlagswesen und dem Innovationsfunding (analog eines Venture Capital) können weitere Incentivierungsmodell eingesetzt werden.

  • Wird beispielsweise eine „Ideen Währung“ zur Bewertung von Ideen eingesetzt, kann dies mit einem Prämienshop (analog zu Kundenbindungsprogrammen wie z.B. Miles&More oder Payback) kombiniert werden.
  • Ideen-Wettbewerbe sind ein weiteres Instrument. Diese werden eingesetzt, um Ideen in einem speziellen Themenfeld oder in einem definierten Zeitfenster zu generieren. Geldpreise spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Ich empfehle das Besondere, das einmalige Erlebnis als Preis auszuloten. Sind Sie an dieser Stelle gerne kreativ und denken über das außergewöhnliche nach.

Fazit:
Ideen- und Innovationscommunities erzeugen ein hohes Maß von Dynamik, um kontinuierlich neue Ideen hervorzubringen. Diese Dynamik kann durch den Einsatz von Incentivierungsmodellen weiter gesteigert werden. Innovationsprojekte konkurrieren um Ressourcen, Know-how und finanzielle Mittel mit Projekten aus der Linienorganisation, die zur Umbesetzung von strategischen Zielen erforderlich sind. Die Motivation der Community wird am stärksten durch ein Fundingmodell verstärkt, da dadurch die Umsetzung von Ideen gezielt gefördert wird. Klassische Prämiensysteme hingegen fokussieren auf die Belohnung des einzelnen Ideengebers.
Betriebliches Vorschlagswesen, kontinuierliche Verbesserungsprozesse und Ideenmanagement, um Innovationen hervorzubringen sind im Zusammenhang ganzheitlich zu Betrachtung. Incentivierungsmodellen für die Idee- und Innovationscommunity müssen einfach und transparent ausgestaltet werden.
Ein Ideen- und Innovationsoffice steuert Prämien für Ideen und das Funding von Innovationen.

Dieser Artikel wurde geschrieben von:

Christian Weiler

Christian Weiler ist Initiator und erster Autor des Blogs "Köpfe für Deutschland". In diesem Blog berichtet er über seine Erfahrungen mit der Entwicklung von der „Informationsgesellschaft“ zur „Kreativgesellschaft“ und wie Ideen- und Innovations-Communities die Veränderungen der Unternehmenskultur fördern.

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